Portrait

Im Jahre 1981 erbrachte das Konzert zur festlichen Eröffnung des wiedererbauten Historischen Reitstadels den überraschenden - weil keineswegs sicheren - Nachweis, dass hinsichtlich Akustik und Ambiente ein einzigartiger Konzertsaal geboren war.

Kurz darauf fanden auf Initiative von Ernst-Herbert Pfleiderer die Gründer der Neumarkter Konzertfreunde zusammen. Sie dachten darüber nach, wie diese ungewöhnliche, sich von vielen anderen Städten abhebende Chance durch ein ebenso ungewöhnliches Konzertangebot ausgefüllt und genutzt werden könnte. Unter dem Motto "Ein Hauch von Festspielatmosphäre" sollte internationaler Qualitätsanspruch als Maßstab gelten. Dies beinhaltete die Vorstellung, die kammermusikalischen und solistischen Ereignisse, welche in den Metropolen zum Teil in riesigen, unpersönlichen Sälen stattfinden, in einen kleinen Saal zu transponieren. Damit sollte erheblicher künstlerischer und atmosphärischer Zugewinn bei sehr direkter Begegnung zwischen Künstler und Publikum erzielt werden. Es war klar, dass bei dem hohen künstlerischen Anspruch, verbunden mit den - bei 462 verkauften Plätzen - vergleichsweise geringen Einnahmen, eine Kostendeckung bei weitem nicht zu erreichen war. Die Eintrittspreise sollten im Prinzip für jeden wirklich musikbegeisterten Interessenten als Adressaten erschwinglich sein. Daher musste die Defizitfinanzierung durch großzügige Spenden der Vereinsmitglieder geregelt werden. Die Verwaltungs- und Organisationsarbeit erfolgt "pro bono" bzw. im Ehrenamt, ebenso wie die künstlerische Leitung. Es sollte in diesem Modell von "Bürgercommitment" die Inanspruchnahme öffentlicher Mittel nicht erforderlich werden.

Der Rückblick auf die vergangenen 36 Jahre zeigt nun, dass dieses Kulturmodell mehr als aufgegangen ist. Die Reitstadelkonzerte der Neumarkter Konzertfreunde sind vom anfänglichen Geheimtipp zur Institution geworden. Große Künstlerpersönlichkeiten folgen im Rahmen ihrer internationalen Verpflichtungen gerne einer Einladung in den so beliebten Reitstadel-Konzertsaal. Sie schätzen dort neben der Akustik ein künstlerisch verständiges, sehr aufmerksames und begeisterungsfähiges Publikum. Und sie lassen sich in dieser produktiven, inspirierenden Atmosphäre auf mehr ein als sonst mancherorts. Dies - verbunden mit Programmen, die häufig in der Originalität und Phantasie ihrer Gestaltung bewusst nicht dem landläufigen "mainstream" entsprechen - führt dann nicht selten zu musikalischen Sternstunden. Deshalb behaupten Künstler, Kritiker und Publikum einmütig, dass solche in den Reitstadelkonzerten der Neumarkter Konzertfreunde weit häufiger stattfinden als anderswo. Programmatische Vielseitigkeit vom Solo-Rezital zum Kammerorchester- und Chorkonzert, von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Moderne, ist für die Neumarkter Konzertfreunde ebenso ein Credo wie das Engagement junger, hervorragender Talente, die noch vor oder an dem Beginn einer grossen Weltkarriere stehen. So hatten z.B. das Emerson-String-Quartet, Frank Peter Zimmermann, Christian Zacharias, auch András Schiff, Christine Schäfer, Thomas Quasthoff oder Matthias Goerne, Hilary Hahn, Nikolaj Znaider und zuletzt das Quatuor Ebene schon längst ihr Reitstadel-Debüt, bevor sie regelmässig auf den Programmen grosser internationaler Veranstalter zu lesen waren.

Die Neumarkter Konzertfreunde bieten derzeit Konzerte in drei Abonnementreihen an, die von einem Publikum aus dem ganzen nordbayerischen Umkreis und darüber hinaus wahrgenommen werden. Darüber hinaus finden Sonderkonzerte und in unregelmäßigen Abständen Festivals statt, die auch ein von weit her gereistes Publikum ansprechen. Die Kartennachfrage übersteigt dabei regelmäßig das Angebot deutlich. Somit macht die vieldiskutierte Klassikkrise um die Reitstadelkonzerte ebenso einen Bogen wie der Zwang oder die Verführung in die "Event-Trickkiste" oder zum "Cross-over" greifen zu müssen.

Den 25. Geburtstag dieses kulturellen Erfolgsmodells feierten die Neumarkter Konzertfreunde mit allen Freunden aus nah und fern gebührend Ende September/Mitte Oktober 2006 mit vier hochkarätigen Jubiläumskonzerten und einem Jubiläumsempfang in festlichem Rahmen. Der Tradition gemäß wuden die Konzerte sowohl von Künstlern, die schon länger zur Weltelite zählen, als auch von "rising stars" mit höchstem musikalischem Potenzial gestaltet.