Melodie des Monats

April 2026 | Der Redner spricht

Im Konzert mit dem Azahar Ensemble erklingt diese Melodie von Domenico Scarlatti. Wir wünschen viel Vergnügen!

Der Redner spricht

Miguel Ramos Salvados Fantasia Scarlattiana eröffnet eine neue Perspektive auf eine Cembalo-Sonate von Domenico Scarlatti: Schon deren bloße Übertragung auf das Bläserquintett wirkt wie eine erste Variation. Die Strenge des Originals wandelt sich hier in eine wehmütige Erinnerung, als betrachte man die Musik durch weichere, farbigere Linsen. Der Klang der Flöte bringt Wärme und Atem, ohne den prägnanten Kern des Themas zu verlieren.

 

Diese Verwandlungsfähigkeit verweist zurück auf die Quelle: Scarlattis Sonate K. 32 in d‑Moll ist eine intime Aria. Ihre Wirkung erwächst aus strenger Achttaktigkeit und hoher motivischer Konzentration. Der kurze Verlauf lebt von einem Wechselspiel zwischen melodischer Entfaltung – oft in kleinen Motivverschiebungen (Sequenzen) – und prägnanten Schlüssen, die wie musikalische Satzzeichen wirken. Diese Musik spricht – als würde ein Redner einen Gedanken in präzise, klar gegliederte Abschnitte fassen.

Aus dieser asketischen Form entsteht ein Anflug von klassizistischem Ernst. Das Thema ist kompakt und modellhaft, geradezu prädestiniert, variiert und in neue Klangwelten überführt zu werden – weshalb Salvados Wahl so folgerichtig wirkt.

 

Hier lohnt ein zusätzlicher Vergleich mit der Aria aus den Goldberg‑Variationen von J.S. Bach. Auch dort bildet eine schlichte, symmetrische Melodie den Ausgangspunkt, dessen Klarheit das Variieren herausfordert. 

Doch während Bach seine Aria in ornamentaler Fülle und weitgespannter Eleganz entfaltet, bleibt Scarlatti knapp, konzentriert und minimalistisch.