Februar 2026 | Ossians Gesang
Im Konzert mit dem Barbican Quartet erklingt diese Melodie von Felix Mendelssohn Bartholdy. Wir wünschen viel Vergnügen!
Ossians Gesang
Felix Mendelssohn Bartholdy: Streichquartett Nr. 2, dritter Satz
Das zweite Streichquartett von Mendelssohn Bartholdy ist schlicht sensationell. Zum einen bezieht es sich auf Beethovens kurz zuvor entstandene späte Quartette. Bemerkenswerter: Es hält deren Niveau, obwohl der Komponist damals erst 18 Jahre alt war. Für die »Melodie der Woche« greifen wir die kleine Hauptmelodie aus dem dritten Satz heraus. Mendelssohn bezeichnet ihn weder als Menuett noch als Scherzo, sondern als Intermezzo. Die Musik verläuft eher langsam und steht ebenfalls ungewöhnlich in einem geraden Takt.
Die Hauptmelodie ist motivisch mit den anderen Themen des Werkes verwandt. Ihr Moll ist kirchenmodal gefärbt, sodass sie wie ein uraltes Volkslied wirkt. Die harfenähnliche Begleitung der gezupften Streicher verstärkt diesen Eindruck, ebenso die Coda (Schlusstakte), die die Melodie wie einen Choral präsentiert. Der Mittelteil, das Trio, ist schnell und deutlich von der Hauptmelodie abgesetzt – er erinnert an die für Mendelssohn so charakteristische Elfenmusik.
Doch hier soll es um die Hauptmelodie gehen. Ist es Ossian, der hier zur Harfe greift? Seine »wiedergefundenen Gesänge«, in Wahrheit Fälschungen des 18. Jahrhunderts, haben die Kultur der Epoche maßgeblich beeinflusst. Der »nordische« Ton bei Mendelssohn ist allerdings dessen eigene Erfindung – man wird ihm später in der Schottischen Sinfonie wieder begegnen, die wiederum Komponisten wie Grieg und Sibelius beeinflusste.
