Geniestreiche | Rezension Mittelbayerische Zeitung
Quartettkunst vom Allerfeinsten! So lässt sich der Auftritt des Barbican Quartet bei den Konzertfreunden Neumarkt auf drei Worte komprimieren.
Vom Allerfeinsten
Das Barbican Quartet gastierte im Reitstadel NeumarktQuartettkunst vom Allerfeinsten! So lässt sich der Auftritt des Barbican Quartet bei den Konzertfreunden Neumarkt auf drei Worte komprimieren. Wir wollen sie belegen, begründen, veranschaulichen und einige Facetten dieses Prädikats entfalten.
Eine Grundlage für dieses herausragende Musikerlebnis lieferte die kluge Programm-Komposition: Ihr Horizont umfasste Europa von Österreich (Haydn op. 20/2, 1772) über Deutschland (Mendelssohn-Bartholdy op. 13, 1827) nach Polen (Szymanowski op. 56, 1927). Aus der britischen Heimat des Quartetts stammten die »Two Pieces« (1924) von Rebecca Clarke und die Elgar-Zugabe, »Nimrod« aus den Enigma-Variationen (op. 36, 1899). Die Notenköpfe der Werke sind aber auch durch strukturelle und kompositorische »rote Fäden« vernetzt. Haydns C-Dur Quartett endet mit einer scheinbar lässig daherkommenden »Fuga a 4tre Soggeti« …
Auch Karol Szymanowski, der 1911/12 in Wien gelebt hatte, legt im finalen Lento des 2. Quartetts eine hochdifferenzierte Fuge vor …
Ebenso im Schlusssatz von Mendelssohns a-Moll-Quartett spielen Fugati eine wichtige Rolle.

Die Partituren kamen klar, schlüssig und verständlich über die Rampe. Ein Lob der Cellistin Yoanna Prodanova, die mit ihrem fülligen und doch luftigen Ton die Basis legte. Sonor und farbenreich klang das Bratschenspiel von Christoph Slenczka. Bestens harmonierten die präsente Geigerin Kate Maloney und die Primaria Amarins Wierdsma. Letztere ließ uns immer wieder staunen: Bei den schimmernd leuchtenden Spitzentönen, der faszinierenden Klanggestaltung mit dem Bogen und mit den sprechend und bewegend musizierten Rezitativen bei Mendelssohn.
Herausragende Kunst verändert die Rezipienten, so auch dieser superbe Quartettabend: Haydn weckte Emotion wie Intellekt. Szymanowsky führte uns in unbekannte, faszinierende Klangwelten. Mit Mendelssohn offenbarte sich ein hochbegabter, erstaunlich reifer 18-Jähriger. Clarke brach mit ihrem redegewandten, mitteilsamen Quartett eine Lanze für komponierende Kolleginnen.
Auszüge aus der Rezension von Peter Donhauser, erschienen in der Mittelbayerischen Zeitung vom 27.02.2026.
www.mittelbayerische.de
