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In Verbundenheit | Vorbericht Neumarkter Nachrichten

András Schiff sagt »Lebwohl«. Sie haben das Neumarkter Konzertpublikum oft mit Mozart verwöhnt: Die Cappella Andrea Barca und András Schiff spielen ihr letztes Konzert in Deutschland im Reitstadel.

András Schiff sagt »Lebwohl«

Mit der Cappella Andrea Barca spielt er im Reitstadel sein letztes Konzert in Deutschland.

Fakes sind heute tägliches Brot. Auch das Rezept zur »Ribollata bruciata« aus Grünkohl, weißen Bohnen, Tomaten und Brot, der als  »angebrannter Eintopf« Titel der berühmtesten Oper »dramma giocoso« des achtzehnten Jahrhunderts in Italien gewesen sein soll – wenn man Maestro András Schiff glaubt. Der Komponist Andrea Barca soll, so fabuliert er, ein Bauernkind gewesen sein, Umblätterer für Mozart in Florenz, erfolgloser Compositeur in Salzburg und gestorben wieder zuhause in der Toskana: wann, wo, wie – unbekannt.

Zwei Jahrhunderte später brauchte der immer berühmter werdende Pianist András Schiff einen Namenspatron für ein von ihm gegründetes Orchester, und das hieß ab 1999 »Cappella Andrea Barca«. Wenn das am Mittwoch, 28. Januar, um 19.30 Uhr im Neumarkter Reitstadel sein letztes Konzert in Deutschland gibt und sich danach auflöst, endet eine Musikepoche, die angetreten war, um sämtliche Mozart-Klavierkonzerte aufzuführen: mit den führenden Musikern Europas und mit Sir András als Solisten – beim Festival »Omaggio a Palladio« in Vicenza, auf Tourneen bis in die USA und schon damals vom Zoll seckiert, bei der Salzburger Mozartwoche und bei den Neumarkter Konzertfreunden.

Sir András Schiff, Cappella Andrea Barca, Teatro Olimpico, Vicenza
Sir András Schiff, Cappella Andrea Barca, Teatro Olimpico, Vicenza

Ein Abschiedskonzert soll das jetzt sein, ein Dank für »unvergessliche musikalische Höhepunkte seit 1999«. Und wie in Wien und Salzburg zuvor stehen die beiden Mozart-Klavierkonzerte KV 488 und 466 auf dem Programm, die Ouverture zu »Don Giovanni« und schließlich Joseph Haydns »Abschiedssymphonie«.

Schon früh Ambitionen

Ambitionen als Dirigent hatte András Schiff schon bald entwickelt: eine Kritik von der Ansbacher Bachwoche zeigt ihn vor der »Solistengemeinschaft der Bachwoche Ansbach«, erst kürzlich war er in Erlangen mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment. Und wenn er gerade erst in Zürich mit Marta Argerich im Duo gespielt hat, zeigt das nur Schiffs nimmermüde Verteidigung seines Weltruhms: als Solist, Kammermusiker, Liedbegleiter und als Dirigent, längst nicht mehr nur mit Mozart. Aber er spielt immer auf einem Flügel, der zu seinem Programm und zur Musikgeschichte passt: ein Steinway für Bach, den Erard für Chopin, und die beiden Mozartkonzerte in Neumarkt wird er auf seinem Bösendorferflügel aus Mahagoni spielen.

 

Sir András Schiff spielte auf seinem Bösendorfer Konzertflügel Modell 280VC Vienna Concert am 29. Januar 2020 im Historischen Reitstadel.
Sir András Schiff spielte auf seinem Bösendorfer Konzertflügel Modell 280VC Vienna Concert am 29. Januar 2020 im Historischen Reitstadel.

Bei dem Konzert am Mittwoch gehen die Gedanken zurück zu den Konzerten mit der Cappella in Neumarkt: das waren immer wieder Festspiele wie 2003 oder 2014, mit Musikerinnen und Musikern, die jahrelang seit der Gründung dabei waren: Louise Pellerin, Hariolf Schlichtig, Radovan Vlatkovic und unentbehrlich Schiffs Ehefrau Yuuko Shiokawa oder das Denkmal am Kontrabass: Christian Sutter. Programmideen waren immer überzeugend: etwa das Motto »1784« mit Werken, die in diesem Mozart-Epochenjahr entstanden waren.

Die Cappella verdankte ihre Gründung und ihre Programmatik auch dem legendären ungarischen Geiger Sander Vegh, der zwanzig Jahre lang die Camerata Academica des Mozarteums Salzburg geleitet hatte (auch in Neumarkt). Ernst-Herbert Pfleiderer hat die Cappella-Musiker auch aus dieser Zeit interviewt, um den Spirit dieses Orchesters zu erfahren. Übereinstimmend hat er gehört: »Die Cappella ist ein ganz besonderes Orchester« (Bratscher Hariolf Schlichtig), »es herrscht eine große Übereinstimmung, auch im stilistischen Bereich« (Hornist Klaus Thunemann), »es ist wirklich eine sehr spezifische Atmosphäre hier« (Geiger Erich Höbarth).

 

Sir András Schiff, Yuuko Shiokawa, Erich Höbarth, Cappella Andrea Barca am 1. Februar 2014 in Neumarkt.
Sir András Schiff, Yuuko Shiokawa, Erich Höbarth, Cappella Andrea Barca am 1. Februar 2014 in Neumarkt.

Am Mittwoch wird nicht Haydns »Abschiedssymphonie« am Ende des Konzerts stehen (sondern mittendrin), wo die Musiker einer nach dem anderen die Bühne verlassen. Sondern der Abschied wird mit dem Klavierkonzert KV 466 zelebriert: Damit begann 1785 die Serie der Konzert-Gipfelpunkte in Mozarts Schaffen – und da fragt man sich natürlich: Soll dieses Konzert nicht nur ein Abschied, sondern auch ein Ausblick sein?

Sir Andras hat dazu in einem Interview mit dem Wiener Musikverein ziemlich definitiv gesagt: »Meine Frau Yuuko und ich haben die Cappella gemeinsam gegründet, und wir werden sie jetzt auch gemeinsam zu einem guten Ende bringen«.

Dieser Artikel von Uwe Mitsching ist am 24. Januar 2026 in den Neumarkter Nachrichten erschienen.