Januar 2026 | Windstille Gärten
Im Konzert mit Sir András Schiff und der Cappella Andrea Barca erklingt diese Melodie von Joseph Haydn. Wir wünschen viel Vergnügen!
WINDSTILLE GÄRTEN
Joseph Haydns »Abschiedssinfonie«, 2. SatzVon allen großen Genies ist Joseph Haydn wohl der am meisten unterschätzte. Seine Musik richtet sich an ein kundiges Publikum: Sie lebt von Ironie und verzichtet auf Pathos und ausgedehnte Melodien. Für Werke aus Haydns mittlerer Schaffensperiode gilt das jedoch nur bedingt. Sie zeigen eine zurückgenommene, verfeinerte Seite des Rokokos, jener »Romantik für Adlige«. Man war des Repräsentierens überdrüssig und zog sich auf abgeschieden gelegene Jagdschlösser zurück. Die persönlichere Atmosphäre wirkte wiederum auf das offizielle Hofleben zurück.
Im zweiten Satz von Haydns Abschiedssinfonie fühlt man sich unmittelbar in die windstillen Gärten des Rokokos versetzt. Diese »Windstille« stand im deutlichen Gegensatz zu den Stürmen des Barocks. Die Entdeckung des gemischten Gefühls war eine Errungenschaft jener Epoche: Der Mensch, der in sich ging, fand sich zugleich traurig und fröhlich, verbunden und einsam. Die Melancholie, die daraus erwuchs, prägt den langsamen zweiten Satz der Abschiedssinfonie.
Da dieser auf Schlussformeln, die sogenannten Kadenzen, verzichtet, entfaltet sich vor dem Hörer eine scheinbar unendliche Melodie. Sie wirkt jedoch zugleich kurzatmig: eine Folge von Seufzern, kleinen Atemzügen und Pausen – den charakteristischen »Figuren«. Die Streicher spielen gedämpft, wie hinter Vorhängen. Wenn die Bläser überhaupt hinzutreten, dann nur an formal gewichtigen Stellen, etwa um eine neue Tonart anzukündigen. Meist verlangt Haydn hier ein Pianissimo: Nicht durch Lautstärke soll diese Musik wirken, sondern durch subtile Schattierungen.
