Juli 2026 | Für Tschaikowsky
Im festlichen Eröffnungskonzert am 23. September 2026 erklingt diese kleine Melodie von Anton Arensky. Wir wünschen viel Vergnügen!
Als erklänge der Gesang einer orthodoxen Totenmesse...
Die heutige Melodie der Woche ist eigentlich keine. Sie ist ein Sprechgesang, ein Gebet. Anton Arenskys zweites Streichquartett beginnt mit einem russisch-orthodoxen Choral, der so manchem Hörer die Tränen in die Augen treibt. Hier wird getrauert – um Arenskys Freund und musikalisches Vorbild Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, der 1893 überraschend starb.
Um diesen Trauergesang klanglich abzudunkeln, entschied sich Arensky zu einem außergewöhnlichen Schritt: Er verzichtete auf die übliche Quartettbesetzung aus zwei Violinen, Viola und Violoncello. Stattdessen schrieb er das Werk für eine Violine, eine Viola und gleich zwei Violoncelli. Die zusätzliche tiefe Stimme verleiht dem Quartett eine warme, dunkle Grundfarbe, die gerade im einleitenden Choral eine sakrale Wirkung entfaltet. Der Klang scheint aus den Tiefen emporzusteigen, als erklänge der Gesang einer orthodoxen Totenmesse.
Anton Arensky gehört heute zu den eher vergessenen Meistern der russischen Romantik. 1861 in Nowgorod geboren, studierte er am Petersburger Konservatorium bei Nikolai Rimski-Korsakow und wurde bereits mit 21 Jahren Professor am Moskauer Konservatorium. Zu seinen Schülern zählten unter anderem Alexander Skrjabin und Sergej Rachmaninow. Musikalisch stand Arensky zwischen den Einflüssen seines Lehrers Rimski-Korsakow und der melodischen Ausdruckskraft Tschaikowskys, dessen Kunst ihn nachhaltig prägte.
Obwohl seine Opern und Sinfonien heute selten aufgeführt werden, haben sich seine Kammermusikwerke ihren Platz im Repertoire bewahrt. Besonders die Klaviertrios sind berühmt geworden – und das zweite Quartett, ein Werk voller Melodien und aufrichtiger Emotion. Man muss den Widmungsträger Tschaikowsky nicht kennen, um von dieser Musik unmittelbar berührt zu werden.
