Katalanische Schatzkammer | Rezension Neumarkter Nachrichten
Das Holzbläser-Quintett Azahar hat das Publikum in Neumarkt ins klangvolle Spanien entführt.
Musikalische Zeitreise durch Spanien
Das schaffen nur die Neumarkter Konzertfreunde: Musik, die wohl kaum jemand zuvor gehört hat, ein Ensemble, das – trotz Auftritten beim ARD-Musikwettbewerb, in der Berliner Philharmonie oder im Mozarteum Salzburg – nur Insider kannten, und doch ein ausverkauftes Haus. Und ein Publikum, das sich faszinieren ließ von den Klängen des Holzbläser-Quintetts.
Nicht weniger als die »Katalanische Schatzkammer« hatte das Azahar-Ensemble angekündigt, und die wurde weit geöffnet: Da fand sich Musik aus dem 16. Jahrhundert genauso wie zeitgenössische Werke, Stücke aus der Klassik bis hin zu Flamenco-Einflüssen.
Maria Alba Carmona Tobella (Fagott), die jeweils kurz in das Programm einführte, lud das Reitstadel-Publikum ein auf eine musikalische Zeitreise:
Unser Programm schlägt mehrere Bögen, vom Barock bis zu traditionellen katalanischen Liedern.
Und sie erzählte auch die Geschichte hinter den Liedern. Von der Orangenblüte, der Nacht in Sevilla von Gründonnerstag auf Karfreitag oder der Wandlung von tiefer Trauer und Verzweiflung hin zur munteren Fiesta. Oder, wie in Joaquin Turinas Sevilla-Suite, zum »Volksfest«: einem lebendigen Porträt der berühmten Feria de Abril, dem Frühlingsfest in der Hauptstadt der südspanischen Region Andalusien.
Entsprechend wandlungsfähig zeigt sich auch die Arbeit der Komponisten, darunter neben Azahar-Klarinettist Ramos Salvado mit Jordi Curnudella auch ein guter Freund des Quintetts: Auf polyphone, teils dissonante Klänge folgt gefällige, ausgelassene Heiterkeit und »reichlich Stoff für Träumereien«, wie es Tobella in der Einführung zu Figueras »Un Tapis, L’Unicorn« formulierte: Inspiriert von Bildender Kunst verwandelt er die Symbolik eines Einhorn-Wandteppichs aus dem Jahr 2016 in filigrane, farbenreiche Kammermusik für Bläserensembles.

Dieser Artikel von Jürgen Dennerlohr ist am Donnerstag, den 30. April 2026 in den Neumarkter Nachrichten erschienen.
