Musique française | Rezension Neumarkter Nachrichten
Das Tiro Moreau in Neumarkt - zum Saisonfinale der Konzertfreunde gastiert ein französisches Debüt mit Werken aus drei Epochen.
Drei Brüder, drei Trios
Am Wochenende wurde das »Fête de la Musique« gefeiert, und wer parallel zur Musik gerne »bouffe« oder »bière« genießt, ist seit 1982 bestens bedient – damals von Paris aus, dann in Deutschland und heutzutage weltweit vernetzt: allein in Berlin mit rund 300 Locations, mit kostenlosen Konzerten, im Fernsehen mit acht Stunden Klavierkonzert (abends mit Marta Argerich auf arte). Neumarkt feiert mit und weiß es eigentlich gar nicht: Die Konzertfreunde haben das letzte Konzert ihrer Saison 25/26 auf diesen Sommeranfangstag gelegt, haben ein französisches Klaviertrio zum Debüt eingeladen, obendrein mit einem rein französischen Programm. Das Schönste an diesem Zufall: Es sind drei Brüder, die das Trio Moreau bilden, lässig und sommerlich im Outfit und der Cellist sogar mit Schuhen von Christian Louboutin (rote Sohlen!).
Jérémie (Klavier), David (Violine) und Edgar (Cello) sind alle so um die Dreißig, Daniel Barenboim und Sir András Schiff gehören zu ihren Förderern, und das Fête feiern sie in Neumarkts Reitstadel mit drei französischen Klaviertrios, beginnen mit Claude Debussys G-Dur-Trio und gleich mit einer Überraschung: Denn das Stück ist ein Werk aus Debussys Studentenzeit, komponiert 1880 im wunderbaren Fiesole hoch über Florenz, wo man immer noch in einem Nonnenkloster Quartier beziehen kann: schon damals ein inspirierender Ort, wo der junge Claude einen Sohn der Tschaikowsky-Gönnerin Nadeschda von Meck unterrichtet und mit der Dame des Hauses Klavier vierhändig spielt.
Abschied von der Spätromantik
Wichtiger ist allerdings, dass Debussy mit seinem Trio Abschied von der französischen Spätromantik nimmt: reizend und ein wenig naiv aufgeputzt im Mittelsatz, bedeutungsvoll erfüllt im Andante und dann mit einem Appassionato-Finale: hinreißend.
Das hört man vom Trio Moreau in allen Ausdrucksformen, mit denen die französische Kammermusik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine eigene Position erreichen wollte: nicht immer erfolgreich, aber wenn das Trio Moreau spielt, sehr überzeugend.
Eine Generation zurück dann im Programm das Klaviertrio Nr. 2 von Camille Saint-Saëns, ein ausgewachsenes Hauptwerk der französischen Romantik, auch der unverkennbaren Besonderheiten wie der Spur von exotischem Flair. Die Vielseitigkeit von Saint-Saëns von der Orgelsymphonie bis zu alttestamentarischen Opern spielen die Brüder Moreau mit einer überzeugenden Ernsthaftigkeit als Hauptwerk einer Epoche, nie nachlassend, mit David Moreau als Primarius in einer kraftvollen Intensität und in deutlicher Kommunikation mit den beiden Brüdern. Wenn man auch hier nach biografischen Besonderheiten sucht, wären es die Bezüge zum Aufenthalt von Saint-Saëns in Algier, dessen Spuren man in den letzten Takten des ersten Satzes zu finden glaubt.
Bemerkenswert dabei, wie der Cellist Edgar Moreau immer auf der Suche nach Problemlösungen für den spätromantischen Klang ist. Auch wenn es um etwas so Hübsches geht wie das Neo-Rokoko des Grazioso, das sich ganz in der Walzerepoche à la Viennoise gibt:
Die Moreaux spielen das sehr fein, geschmackvoll und ohne alle Übertreibungen.
Im Gepäck zur »Fête« war – ganz erstaunlich – auch das Klaviertrio Nr. 1 von Rita Strohl: Überall, wo es heute gespielt wird, sicher eine Erstaufführung, aber von Anfang an überzeugend mit diesem aufbrausenden Beginn. Da stellt man sich bei »Les Adieus et le départ« ein heftiges Tongemälde vor: hoch zu Ross mit einem leidenschaftlichen Gruß und der Aufbruch von einem romantisch-geheimnisvollen Schloss in der Bretagne, Strohls Heimat. Einmal losgebraust, mag das im Adagio das innige Gebet einer adeligen Dame sein: unüberbietbar espressivo. So unmissverständlich gespielt, gefiel das alles als farbenreiches Gemälde in Öl dem Publikum: Bravi für dieses unerwartet fantastische Fest und das Trio Moreau: »très sympa«.
Dieser Artikel von Uwe Mitsching ist am Mittwoch, den 24. Juni 2026 in den Neumarkter Nachrichten erschienen.


