Musique française | Vorbericht Neumarkter Nachrichten
Mit dem Trio Moreau, das französische Klassiker mit einer Wiederentdeckung kombiniert, beenden die Neumarkter Konzertfreunde ihre laufende Konzertsaison 2026/27 im Reitstadel.
Pariser Dreiklang im Reitstadel
Das Trio Moreau kombiniert französische Klassiker mit einer Wiederentdeckung.Die Ferien in Frankreich fangen viel früher an als bei uns in Süddeutschland: Flüge nach Nizza oder Nantes, ans Mittelmeer oder den Atlantik, die Festspiele von Aix-en-Provence oder das »Interkeltische Festival« in Lorient fangen ab Juli dann doch langsam an. Und die Neumarkter Konzertfreunde locken vice versa die französischen Musiker ins noch ferienlose Bayern. Also entdeckt man nicht Arles oder Avignon, Lyon oder Nîmes als Festspielorte, sondern das Trio Moreau als »Hauch von Festspielatmosphäre« im Reitstadel: am Sonntag, 21. Juni, Achtung: um 18.30 Uhr!
Trio Moreau heißen die Musiker mit dem Debüt in Neumarkt. Das sind drei Brüder in der Besetzung Klaviertrio, die zuhause bei so hübsch betitelten Festspielen wie den »Flâneries Musicales de Reims« spielen oder in der Oper von Montpellier erfolgreiche CDs aufnehmen (»Leidenschaft für Schubert«).
Edgar (Cello), David (Violine) und Jérémie (Klavier) treten aber auch als Solisten auf, vor einem Jahrzehnt haben sie ihr Faible fürs Trio entdeckt. Hauptsächlich in Frankreich sind sie unterwegs, und wenn man ihre Pressemitteilungen mit den vielen Namen von Orchestern und Dirigenten durchforstet hat, ist man froh über eine »Rita Strohl«, denn die kennt (wahrscheinlich) niemand.
VERSUNKEN IN EINE VERGANGENHEIT, DIE MICH ALS EINZIGE BEGEISTERTE …
Nein, das ist keine Deutsche, sondern eine 1865 in Lorient geborene, talentierte Pianistin gewesen, die erst mit einem Offizier, dann mit einem Glasbläser verheiratet war und von den berühmten Kollegen Camille Saint-Saëns, Vincent d’Indy oder Gabriel Fauré in Kritiken als Komponistin hochgelobt wurde.
Opern über sieben Stunden
Auch für ihre symphonischen Dichtungen oder ausführlichen Opern, die sie aus dem bretonisch-keltischen Geist ihrer Heimat komponiert hat, gelegentlich auch sieben Stunden lang. Und das in »Lorient« mit dem keltischen Namen »An Oriant«. Das ist bis heute ein wichtiger Hafen der südlichen Bretagne, und wer die bretonischen Krimis von Jean-Luc Bannalec kennt, kennt Lorient sowieso.
Für Rita Strohl war es der Ort der öffentlichen Erstaufführung ihres Klaviertrios op. 1 von 1884. Wenig später folgten dann religiös-mystisch-mythische Stücke, in denen Rita Strohl der Bretagne huldigte: »La Symphonie de la forêt« oder »de la mer«.
Kein Wunder, dass es jetzt ein »Interkeltisches Festival« in Lorient gibt, wohin natürlich auch Schotten und gälische Iren pilgern. Da darf das Publikum von Neumarkt gespannt sein, was von dieser indigenen Musik auf Rita Strohls g-Moll-Trio abgefärbt hat, wenn über dem ersten Satz »Les adieux« und »le départ« steht.
Ansonsten müsste man sieben Stunden Oper absitzen und sich den »Einsturz des Elfenbeinturms« zu Gemüte führen. Auch ihre Orgelmesse wurde an prominenter Stelle, den Kathedralen von Chartres und Rennes, aufgeführt.
Das Klaviertrio von Rita Strohl haben die französischen Moreau-Musiker kompetent und sachkundig in eine französische Umgebung gestellt: zwischen das Klaviertrio G-Dur von Claude Debussy und das Klaviertrio Nr. 2 von Camille Saint-Saëns: also passt zwischen Romantik und Neoromantik irgendwie alles an diesem Abend und in diesem exquisit kombinierten Programm zusammen.

Was die Neumarkter Konzertfreunde allerdings verschweigen, sind die erotischen Gesänge (»Bilitis«) von Rita Strohl. Aber dafür müsste die Familie Moreau auch noch eine Sängerin in ihren Reihen haben. Aber auch so: Es wird ein Abend für alle francophilen und francophonen Musikliebhaber und -entdecker werden (Abonnements G + A).
Wem allerdings drei Interpreten zu wenig sind, der muss bis zur Saisoneröffnung 26/27 warten: Da spielen sieben exzellente Musiker nichts Französisches, sondern deutsche Romantik. Jetzt ist der Saisonschluss am 21. Juni schon um 18.30 Uhr, Restkarten gibt es an der Abendkasse. Und Französisch, nein, das muss man für diese französische Musik nicht können.
Dieser Artikel von Uwe Mitsching ist am Mittwoch, den 17. Juni 2026 in den Neumarkter Nachrichten erschienen.

