Presse

Préludes | Vorbericht Neumarkter Nachrichten

KLAVIERABEND Die französische Pianistin Nathalia Milstein bringt Préludes im Neumarkter Reitstadel auf die Bühne.

Delikate Häppchen

Die junge, vielfach ausgezeichnete Pianistin Nathalia Milstein gibt mit bedeutenden Werken der Klavierliteratur ihr Debut bei den Neumarkter Konzertfreunden.

Mit Nathan Milstein war sie nicht verwandt, dem »größten Geiger des 20. Jahrhunderts«. Als er 1992 in den USA starb, war Nathalia Milstein noch gar nicht geboren. Auch nicht verwandt, aber künstlerisch eng verbunden ist sie schon eher mit Sir András Schiff, in dessen Projekt »building bridges« und seinem »Pianisten-Atelier« sie wichtige Karriere-Schritte machte.

Da hatte sie ersten Klavierunterricht schon bei ihrem Vater am Genfer Konservatorium hinter sich und ihren Master-Abschluss an der Haute Ecole de Musique gemacht. Dann den Schritt nach Berlin, Wettbewerbspreise, Auftritte in der Londoner Wigmore Hall und im Berliner Boulez-Saal der Philharmonie. Familiär war nicht nur ihr Vater wichtig, sondern auch Nathalias Schwester Maria auf der Geige: bei Duoabenden oder auf einer CD mit den Werken von Franz Schubert für Geige und Klavier.

Aber Nathalia Milstein kommt jetzt allein nach Neumarkt, natürlich empfohlen von Sir András, auch von der »Konzertplanerin« der »Konzertfreunde«, Annett Baumeister, und dem Auftritt beim »Heidelberger Frühling« oder auf Festivals mit so anregend-romantischen Namen wie »Grachten-« oder »Zaubersee«-Festival.

Die französische Pianistin Nathalia Milstein bringt Préludes im Neumarkter Reitstadel auf die Bühne.
Die französische Pianistin Nathalia Milstein bringt Préludes im Neumarkter Reitstadel auf die Bühne.

Gut 30 Jahre ist Nathalia inzwischen alt, wenn sie am 16. März 2026 nach Neumarkt kommt, und es ist interessant nachzulesen, was Sir András Schiff über sein »building bridges«-Programm hinsichtlich des Wegs schreibt, den solche Karrieren wie bei Nathalia Milstein nehmen.

Von Wettbewerben hält er nämlich gar nichts, auch wenn man von allen KünstlerInnen im Internet ganze Listen davon heruntergebetet bekommt. Denn da fände eine Jury schließlich immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner und zeichne einen Pianisten aus, »der keinen stört«. Er selbst habe nie einen ersten Platz bekommen, und so hält er viel mehr von einem »Mentorenprogramm«. Will sagen: Er setzt sein Wissen, seine Fähigkeiten, sein Netzwerk für einen Mentee ein, wie einst der Freund des Odysseus, Mentor, für dessen Sohn Telemach.

Sir András nimmt jedes Jahr drei PianistInnen unter die Flügel seiner Förderung, und dabei unterstützen ihn regelmäßig auch die »Neumarkter Konzertfreunde«: bei Schaghajegh Nosrati, Martina Consonni oder eben Nathalia Milstein. Und die dürfen ihren »Mentor« dann natürlich nicht blamieren: wie jetzt die Genferin mit ihrem »Préludes«-Programm, dem zweiten Buch von Claude Debussys »Préludes« und danach mit den 24 Préludes von Frédéric Chopin.

Die konnte man erst kürzlich von Yulianna Avdeeva bei »Nürnberg Recital« hören: vollständig und mit dem durchaus sinnvollen Bezug zu J. S. Bach. Die transportieren in diesen zwei Dutzend Miniaturen auch die Geschichte von Chopin und seiner Partnerin George Sand bei ihrem fatalen Aufenthalt auf Mallorca im Winter 1838/39. In dem spielte Chopin jeden Tag aus Bachs »Wohltemperiertem Klavier«, hungerte sich durch andauernden Regen und seine Lungenkrankheit.

Die ersten der schon fertigen Préludes hatte Chopin schon auf die Insel mitgebracht (auch einen Vorschuss vom Verleger Pleyel), einige fügten die Monate im mallorquinischen Kloster noch dazu: nicht als zusammengesetzte Mosaiksteine, sondern als je vollendete kleine Kunstwerke von manchmal nur halben Minuten.

Claude Debussys zweite Hälfte seiner »Préludes« (1910-1913), wie sie jetzt in Neumarkt auf dem Programm stehen, sind auch solche Stücke verschiedenen Ursprungs und Charakters, Debussy wollte sie eigentlich einzeln gespielt hören. Es sind zarte und gewaltige Tongebilde, keine Seelenbekenntnisse des Komponisten, sondern durch eher periphere Anlässe hervorgerufene Impressionen: von einem Glas Wein, einem Clown im Zirkus. Die pianistischen Mittel werden im Buch Nummer 2 komplizierter, stehen abseits der Tradition, obwohl Bach und Chopin auch bei Debussy deutliche Paten sind: »Klangchemie« hat der Komponist Dieter Schnebel das genannt.

Dieser Artikel von Uwe Mitsching ist am Samstag, dem 14. März 2026 in den Neumarkter Nachrichten erschienen.