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Saison 2026/27 | Vorbericht Neumarkter Nachrichten

Diese Highlights erwarten das Publikum in der Saison 2026/27 der Neumarkter Konzertfreunde.

Konzertsaison 2026/27

Konzerte, das sind Entdeckungen: ob als Abonnent oder mit einer Einzelkarte: immer neue, interessante MusikerInnen, die berühmtesten Namen der Musikwelt, neue Bekanntschaften im Saal und auf der Galerie des Reitstadels. Wenn man sich Einzelkarten aussucht, heißt das die Freude des Aussuchens von Programmen und Plätzen in dem Saal, der mit seiner Akustik zu den besten der Welt zählt – seit über vierzig Jahren.

Und so lang sind die Neumarkter Konzertfreunde schon ein non-profit-Unternehmen, sie finanzieren sich durch die Förderer, die Pfleiderer-Stiftung und die Eintrittsgelder – bisher konnte man mit den immer höher werdenden Gagen mithalten: keine Preiserhöhung in der nächsten Saison.

Von Anfang an bestimmt Ernst-Herbert Pfleiderer, was und von wem jedes Jahr gespielt wird: in Abstimmung mit den Vereinsmitgliedern und dem Vorstand, seit einigen Jahren auch zusammen mit Annett Baumeister (Leitung Konzertplanung), die ansonsten an der Schweizer Grenze das Faust-Forum in Staufen leitet.

Seit 45 Jahren treffen sich die Neumarkter Nachrichten im Frühjahr mit dem Team (auch mit Iris Dorn als Leiterin der Verwaltung und mit Ilona Jentzsch vom Konzertsekretariat) zur Preview auf die kommende Saison. Die nächste Spielzeit 2026/27 startet am 23. September diesen Jahres mit einem Eröffnungskonzert. Jetzt schon fügt Pfleiderer an das Programm, das er ausgesucht hat, eine Menge von persönlichen Fußnoten zu den Musikern an, die wir nachfolgend wiedergeben: Elf Termine, davon drei auch mit Sonderverkauf.

 

Das Eröffnungskonzert am 23. September 2026 empfinde ich als ein Konzert, das mit dem Wiedersehen von Freunden verbunden ist

die teils seit langem mit den Konzertfreunden verbunden sind. Mit Freunden, die Instrumente mitbringen, deren Versicherungswert allein schon Seltenheitswert hat: Máté Szücs, früher Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, Professor in Genf, spielt eine Geige von Jakob Stainer aus dem 17. Jahrhundert. Bis ins 19. hinein waren die Tiroler Stainer-Instrumente begehrter und teurer als die von Stradivari. Aber aus dessen Werkstatt sind mit den Cellisten Christian Poltéra und István Várdai auch Instrumente mit von der Partie: das »La Mara-Cello« und das »Ex du Pré-Harrell«. Wichtig ist für mich, dass zwei der drei Instrumente im Besitz meiner und der Stiftung meiner Frau sind: damit werden sie nicht in alle Welt verstreut.

  • Reitstadel-Debüt: Ben Goldscheider
    Reitstadel-Debüt: Ben Goldscheider
  • Reitstadel-Debüt: Máté Szűcs
    Reitstadel-Debüt: Máté Szűcs

Schon jetzt klinken wir uns in das »Projekt 2032« ein: alle 105 Symphonien von Joseph Haydn werden von Giovanni Antonini und seinem Giardino Armonico bis zu Haydns 300. Geburtstag einstudiert und aufgenommen. Antonini aus Mailand ist einer der Väter der Historischen Aufführungspraxis, und mit seinem »Gärtchen der Harmonie« will ich sie zum Haydn-Jubiläum unbedingt haben: drei Haydn-Symphonien, dazu Musik von Gregor Josef Werner und Gioacchino Rossini: am 12. Oktober 2026 - und sechs Jahre später wird das Projekt auf CD vorliegen.

Der Klarinettist Martin Fröst hat das letzte Mal in Neumarkt durch elegante Tanzschritte zu seiner Musik überrascht. Jetzt kommt der blonde Schwede mit 55 wieder und mit Musik aus Frankreich: Romantisches, Melodisches, Vogelgezwitscher (natürlich von Messiaen) am 16. Oktober 2026. Und zusammen mit dem Pianisten Roland Pöntinen, seit 1991 an Frösts musikalischer Seite.

Dem fühle ich mich besonders verwandt: ein iro-schottischer Unternehmer hat Haydn und Beethoven damit beauftragt, die Lieder seiner Heimat zu bearbeiten. Und wir nützen für das Konzert die Kompetenz des englischen Tenors Ian Bostridge. Dazu gibt es Kammermusik von Schubert mit dem Oberon-Trio. Bostridge wird zum ersten Mal in Neumarkt sein: der wohl kompetenteste Interpret dieser klassischen Volksliedbearbeitungen, ein Schubert-Kenner auch durch seine vielen Liederabende und sein Schubert-Buch, in dem er alle Erfahrungen mit dessen Liedern versammelt hat (13. November 2026): längst als Reitstadel-Debüt fällig.

Bei der Fülle an neuen Streichquartetten verlasse ich mich bei Meta4 gerne auf deren finnische Persönlichkeit und ihre Kompetenz. Das Programm ist außerordentlich: endlich ein Streichquartett von Fanny Hensel, der Schwester Mendelssohns, aber im Mittelpunkt des Programms »The Terror Run« von Jouni Kaipainen, das sich mir als überraschend unterhaltsam empfohlen hat (10. Dezember 2026).

Nochmal Lieder, aber mit Lautenbegleitung, habe ich gerne ins Programm genommen: mit der besonders in Deutschland viel beschäftigten Lautten Compagney aus Berlin mit Wolfgang Katschner, einem der Anführer der Originalklang-Bewegung und kürzlich erst in Nürnberg als Barockopern-Spezialist engagiert. Da wird am 27. Januar 2027 auch Popiges arrangiert, gibt es Musik der englischen Barockmeister Dowland und Purcell. Aus den ursprünglich zwei Lauten ist bei der Compagney inzwischen ein ganzes Kammerorchester geworden: 40 Jahre alt.

 

  • Nathalia Milstein
    Nathalia Milstein
  • Andrei Ioniță
    Andrei Ioniță
  • Tobias Feldmann
    Tobias Feldmann

Allein die Papierform ergibt am 9. März 2027 ein hinreißendes Programm: mit einer Trauermusik als Klaviertrio von Peter Tschaikowsky (op. 50), mit dem witzigen Opus 8 von Dmitri Schostakowitsch und – worauf ich bestanden habe – mit dem Klaviertrio Nr. 2 von George Enescu. Denn den rumänischen Komponisten habe ich immer für unterschätzt gehalten, die Aufführung seiner Oper »Oedipe« bei den Salzburger Festspielen hat seine schillernde Musik richtig ins Licht gerückt. Sicher erinnert sich das Publikum an Nathalia Milstein und ihr Préludes-Programm erst kürzlich bei uns. Sie spielt diesmal mit Tobias Feldmann und Andrei Ioniță. 

Einst hat sie mit ihren georgischen Landsleuten in Ingolstadt angefangen, geheiratet hat sie den Flötisten Leleux, schon länger lebt sie in Paris und unter all den vielen Geigerinnen der Gegenwart ist sie einer der Topstars: Lisa Batiashvili spielt am 24. März 2027 hier mit ihrem Landsmann Giorgi Gigashvili, der zur Zeit die ersten Schlagzeilen als Pianist (früher war er auch Sänger) sammelt. Die Batiashvili spielt von Beethoven bis Bartok ein höchst virtuoses Programm: auch mit Brandneuem des georgisch-israelischen Komponisten Bardanashvili.

 

  • Lisa Bathiasvili
    Lisa Bathiasvili
  • Giorgi Gigashvili
    Giorgi Gigashvili

Gerade eben im April hat es in Bad Tölz eine »International String Quartet Competition« gegeben: zehn neue Streichquartette auf dem Kammermusikmarkt. Allein mit »A« gab es von Art- an ein Absalon-, Atenea-Quartett. In Neumarkt wird das »Quatuor Agate« seinen Hut in den Ring werfen. Aber weil das Konzert am 23. APRIL 2027 »Concert des six« heißt, sind auch Hana Chang (Violine) und Jean-Sélim Abdelmoula (Klavier) dabei, wenn es ein außerordentliches Programm mit Fritz Kreisler (aber nicht nur) gibt: mein besonderer Wunsch seit langem.

 

Nein, es gibt in Sir András Schiffs »Building-Bridges« - Programm nicht nur begabte junge Damen. Auch Itai Navon aus Israel gehört seit ein paar Jahren dazu.

Unterricht hat er bei András Schiff an der Barenboim-Said-Akademie und an der Kronberg Academy gehabt. Dazu gehört auch die Schulung der Programmgestaltung: mit César Franck, Schubert, Janacek, Debussy und Bartok spürt man Schiffs Einfluss (13. Mai 2027).  

Zwei Wochen später wird man mit dem Pianisten Francesco Piemontesi einen interessanten Vergleich anstellen können. Der Tessiner aus Berlin hat sich während der Corona-Krise in die Herzen der Neumarkter gespielt: mit drei Konzerten an einem Tag. Besonders schön finde ich, dass er von Liszts »Années de pélerinage« nicht nur Einzelteile spielt, sondern das vollständige »1. Jahr: Suisse« (30. Mai 2027).  

Dieser Artikel von Uwe Mitsching ist am Samstag, den 9. Mai 2026 in den Neumarkter Nachrichten erschienen.