Saison 2026/27 | Vorbericht Neumarkter Nachrichten
Ernst-Herbert Pfleiderer über Momente, die ihn in der laufenden Saison besonders bewegt haben.
»Unser Publikum ist aufgeschlossen.«
Ernst-Herbert Pfleiderer (2.v.r.) beim Gespräch über das neue Programm der Konzertfreunde mit Ilona Jentsch, Iris Dorn (von links) sowie Uwe Mitsching (r.)Die Saison ist noch nicht zu Ende, der Vorverkauf fängt am Montag an. Da lässt sich Ernst-Herbert Pfleiderer als Künstlerischer Leiter der Neumarkter Konzertfreunde bewegen, auf die alte Spielzeit zurück- und auf die neue vorauszuschauen. Er tut dies mit der Begeisterung über ein attraktives Konzertkonzept zum 45. Mal. Man merkt: er bringt die Glut von Erfahrung, Eifer, Expertise ein, und er liebt sein Publikum.
Welches ist das Konzert, das Sie seit Beginn der Saison 25/26 nicht vergessen konnten?
Eigentlich ist mir das ganze Dutzend im Kopf geblieben. Aber ganz besonders das Wiedersehen und -hören mit Philippe Jaroussky, dem Countertenor aus Paris, der zum 5. Mal bei den Konzertfreunden war und das Thema »Barockkantate« beleuchtet hat. Am Ende:
Ich würde auch ein 6. Mal nach Neumarkt kommen!
Welche Karriere von Ihren Künstlern hat sich in Ihrer Wahrnehmung am beeindruckendsten fortgesetzt?
Christoph Prégardien hatte uns schon vollendete Liederabende beschert, jetzt ist sein Sohn Julian ein sehr gefragter Tenor: auch beim Weihnachtskonzert der Konzertfreunde. Irritiert dagegen hat mich das Balthasar-Neumann-Ensemble mit Chor und Orchester unter der neuen Leitung von Lionel Sow: kein Vergleich mit den Maßstab setzenden Gastspielen unter Thomas Hengelbrock, der sich jetzt besonders dem Orchestre Chambre de Paris widmet.
Haben Sie schon einmal nachgezählt, ob bei Ihnen mehr Frauen als Männer auftreten oder auch Musik von weiblichen Komponisten gespielt wird?
Wir wählen unsere Mitwirkenden nicht nach Geschlecht, sondern nach Qualität aus, und unser Publikum hat eine besondere Aufgeschlossenheit für die vielen wiederentdeckten Komponistinnen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Werke der klassischen Moderne sind bei uns kein Feigenblatt für neuere Musik.
Mit welchen Konzerten andernorts würden Sie die Konzertfreunde vergleichen?
Ich verfolge immer auch die Salzburger Mozartwoche jedes Jahr Ende Januar.
Aber da kommt mir unser Publikum konzentrierter, informierter, ruhiger und aufmerksamer vor. Es hat keine Berührungsängste mit neuen Begegnungen
und pflegt auch die Willkommenskultur, die die Konzertfreunde insgesamt zu realisieren versuchen.
Ist beim Publikum auch etwas von Emotionalität im Spiel?
Von meinen Mitarbeiterinnen habe ich gehört, dass besonders das letzte Konzert der »Cappella Andrea Barca« das Publikum gerührt hat.
Der Musikmarkt plant immer auf Jahre hinaus: Sie auch?
In die nächsten beiden Jahre fällt die 300. Wiederkehr der Todesdaten von Beethoven und Schubert (26.3.1827, 19.11.1828). Da haben wir schon jetzt die Violinsonaten von Beethoven mit dem amerikanisch-niederländischen Geiger Stephen Waarts aus der Talentschmiede der Kronberg Academy im Blick und die vierhändigen Klaviersonaten von Franz Schubert mit Sir András Schiff und Cleo Mun.
Dieser Artikel von Uwe Mitsching ist am 9. Mai 2026 in den Neumarkter Nachrichten erschienen.
